Newsletter Sept. 2017

Newsletter Sept. 2017

Newsletter  vom September 2017:

Thema: Gewerbeabfall-Verordnung (GewAbfV)

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kunden des AVA-Newsletter!

Lange Zeit war Pause: die Themen rund um die betriebliche Abfallwirtschaft entwickelten sich, aber es war kein dringender Handlungs- und Mitteilungsbedarf zu erkennen.

Die Gewerbeabfall-Verordnung aus dem Jahre 2002 hatte nur anfangs für Aufregung gesorgt. Schon in 2010 war die elektronische Abfallnachweisverfahrens (eANV) aufgelegt und damit dem Überwachungsbedürfnis von Behörden genüge getan.

Die neue GewAbfV (Verordnung über die Bewirtschaftung von gewerblichen Siedlungsabfällen und von bestimmten Bau- und Abbruchabfällen) ist zum 1. August 2017 in Kraft getreten und hat damit alle Beteiligten zeitlich überrascht – Erzeuger wie auch Containerdienste, Vorbehandler oder Sortierer. (Überraschend war daran letztlich der Zeitpunkt; dass der Gesetzgeber noch in der aktuellen politischen Zusammensetzung diese und andere Verordnungen verabschiedet hat.) Wichtige Bestandteile werden aber erst zum 1.1.2019 ‚scharf geschaltet‘ (z.B. § 4 Abs. 2, § 6 Abs. 1, 3 – 6).

Im Kern verlangt die GewAbfV die differenziertere und ernsthaftere Trennung Ihrer gewerblichen Siedlungsabfälle sowie der Bau- und Abbruchabfälle. Und was an der Anfallstelle getrennt erfasst wurde, darf beim Transport und weiteren Entsorgungsweg nicht mehr vermischt werden. Der deutsche Gesetzgeber folgt damit EU-Vorgaben, wenn er das stoffliche Recycling aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes forcieren will (siehe § 6 KrWG – Abfallhierarchie).

Die neue Abfallhierarchie hebt die bisher gegebene Gleichwertigkeit von stofflicher und energetischer Verwertung bei Abfallgemischen ab 11.000 kJ/kg auf.

In der Folge bedeutet dies den Vorrang der stofflichen Verwertung (Recycling). Noch näher an der Zielhierarchie des Gesetzgebers ist die Vorbereitung zur Wiederverwendung und – selbstverständlich – die Vermeidung!

  

Gewerbliche Siedlungsabfälle: was ist gemeint?

Die gewerblichen Siedlungsabfälle umfassen

  • alle Siedlungsabfälle, die in Kapitel 20 der AVV aufgeführt sind, aus anderen Herkunftsbereichen als privaten Haushaltungen stammen, insbesondere Gewerbe, Industrie, privaten und öffentlichen Einrichtungen, und den Abfällen aus privaten Haushaltungen aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Zusammensetzung ähnlich sind, sowie
  • weitere Abfälle aus Gewerbe und Industrie, die … nach Art, Zusammensetzung, Schadstoffgehalt und Reaktionsverhalten den Abfällen aus privaten Haushaltungen vergleichbar sind.
    (Gemeint sind wohl Abfallfraktionen, die typischerweise auch im Haushalt anfallen können – Mineralik, Bruchglas, Kunststoff-Reste oder Verbünde [stoffgleiche Nicht-Verpackungen], Bioabfälle, überlagerte Lebensmittel, Reste aus dem Kühlschrank und vom Teller …)
    Also Bestandteile, wie sie erfahrungsgemäß als Fehlwurfquote auch im Haushaltsabfall anzutreffen sind. Wobei die Fehlwurfquote jeweils nicht 5 Masseprozent überschreiten sollte; sonst wäre wiederum die Pflicht zu einer eigenen Prüfung auf Verwertung nötig!)

Konsens herrscht allgemein darüber, dass zu den gewerblichen Siedlungsabfällen auf keinen Fall die ‚gefährlichen Abfälle‘ gehören.

Die Definition lässt viel Interpretationsspielraum erkennen!

 

Trennpflichten an der Anfallstelle beim Erzeuger!

Folgende Fraktionen müssen getrennt erfasst und dokumentiert werden (bspw. im Rahmen der betrieblichen Abfallbilanz) und sollten damit den Restmüll reduzieren:

  1. Papier, Pappe und Karton mit Ausnahme von Hygienepapier  (= Restmüll) ,
  2. Glas,
  3. Kunststoffe,
  4. Metalle,
  5. Holz,
  6. Textilien,
  7. Bioabfälle wie Grüngut / Küchen- u. Kantinenabfälle,
    und
  8. weitere Abfallfraktionen, wie sie typischerweise auch in Haushaltungen anfallen können (s.o.)

 

Vorschlag zum Vorgehen im Betrieb

Diese Trennpflichten sollten jetzt im Betrieb recherchiert und dokumentiert werden.

  • Warum nicht die Kamera mitnehmen zwecks Dokumentation?
  • Was stammt aus unserem Betrieb – was ist von Außen eingetragen?
  • Wo bestehen bei Ihnen im Betrieb Verwertungspotenziale – wenn das Gemisch (Restmüll) beobachtet wird?
  • Welche Abteilung in meinem Betrieb beteiligt sich wie stark am Restmüllaufkommen – mit welchen Fraktionen?
  • Wie sieht die Erfassung vorort am Arbeitsplatz aus? Sind geeignete Vorsammelbehälter günstig und ausreichend positioniert?
  • Wie wird eigentlich in unseren Büros getrennt? Was macht der Reinigungsdienst?
  • Wie groß ist meine kommunale Restmülltonne dimensioniert – welchen Füllungsgrad weist sie auf – bei Abholung? Werden die kommunalen Angebote genutzt (Gelbe Tonne / Papiertonne / … ?)
  • Wer führt den innerbetrieblichen Transport und die Übergabe zum Entsorgungsbehälter (Schnittstelle zum Entsorger) durch?
  • Kann ich bei meinem Entsorger / Containerdienst beim Abkippen in der Umlade- oder Vorbehandlungsanlage ‚hospitieren‘? Dies könnte sich anbieten, wenn der Restmüll im Presscontainer vom Hof gefahren wird!
  • Zur weiteren Dokumentation gehören natürlich alle Belege zum Verbleib der Verwertungs- und Beseitigungsfraktionen – möglichst mit Angaben in Tonnage!

 

Theoretisch könnten sich die Vollzugsbehörden schon jetzt die Umsetzung von Ihnen vorlegen lassen; die Umweltverwaltung wird dies aber im Regelfall erst ab 2018 forcieren.

Trotzdem die Empfehlung, die Abfallbilanz jetzt zu erstellen und vorzuhalten. Ein Muster findet sich auf der folgenden Seite oder kann bei der AVA GmbH oder dem Umweltamt angefordert werden (als Word-Dokument). Hier klicken

 

Weitere Verpflichtungen für den Erzeuger und Vorbehandler

Weitere Verpflichtungen – nach allen Anstrengungen zur Getrennthaltung und Verwertung im Betrieb: die restlichen Gemische sind einer Vorbehandlungsanlage zuzuführen und können nicht mehr auf direktem Weg in die energetische Verwertung verbracht werden!

An die Vorbehandlungsanlage kommen ab 2019 anspruchsvolle Sortier- und Verwertungsquoten zu! Es kann davon ausgegangen werden, dass in den meisten Fällen dort ein größerer Nachrüstbedarf besteht mit Investitionen in verfeinerte Sortiertechnik. Die Vorbehandlungsanlagen wiederum werden von ihren Aufsichtsbehörden überwacht. Nur entsprechend zertifizierte Vorbehandlungsanlagen sollten Sie beschicken!

Eine Ausnahme von der Pflicht zur Anlieferung Ihrer Restmüllgemische an eine Vorbehandlungsanlage wird in § 4 Abs. 3 dargestellt: die 90 % Getrennthaltungsquote.

Danach würden die betrieblichen Anstrengungen zur sehr weitgehenden Trennung belohnt, wenn das Restmüllgemisch lediglich noch 10 Gewichtsprozent der übrigen verwerteten Abfälle ausmacht. Der Weg in die energetische Verwertung – eventuell ab 2019 sogar kostengünstiger als die Vorbehandlungsanlage – wäre dann frei.

Dies könnte sich aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht als nachteilig auswirken, weil die anspruchsvolle 90%-Getrennhaltungsquote von einem externen Sachverständigen (Umweltgutachter) zu zertifizieren ist. Die dabei anfallenden Kosten dürften in der Regel den Vorteil des energetischen Verwertungsweges aufheben!

 

Mit der folgenden Veranstaltung wollen wir die Ziele und mögliche Umsetzungsstrategien zur Diskussion stellen.

 

Wir laden herzlich ein zu dieser kostenlosen Info-Veranstaltung: bitte beachten Sie die unterschiedlichen Anfangszeiten!

  • 19. Okt. 2017 – 17.00 – ca. 19.00 Uhr Kreishaus – Friedrich-Ebert-Str. 17 in Unna;
    Oder:
  • 07. Nov. 2017 – 14.00 – ca. 16.00 Uhr LünTec – Technologiezentrum – Am Brambusch 24 – 44536 Lünen.

 

Anmeldung unbedingt erforderlich! Download Anmeldebogen bitte hier klicken

Für Rückfragen stehen Ihnen bei der AVA GmbH, Frau Goldhahn, Herr Niemann und Herr Fuchs unter Tel. 0231/9870600 oder per Email: info@ava-beratung.de gern zur Verfügung. Auf Seiten der Umweltverwaltung steht Ihnen Herr Michael Schneider als Ansprechpartner zur Verfügung: Tel. 02303/27-1172 / Email:  Michael.Schneider@kreis-unna.de

 

Es grüßt Sie ganz herzlich das AVA-Team aus Lünen!

Kontakt

Bei Fragen zu den Beratungsdienstleistungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihr Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Jürgen Berau
Geschäftsführer

Zentrale:
AVA - Abfallvermeidungsagentur GmbH

Am Brambusch 24
44536 Lünen
Fon 0231 987060-0
Fax 0231 987060-6
E-Mail: info@ava-beratung.de
http://www.ava-beratung.de

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